Interview Mechatroniker (m/w/d)

Interview mit Jana kleine Bornhorst

Warum hast du dich für diesen Ausbildungsberuf entschieden?
Ich habe ein technisches Gymnasium besucht (BBS Brinkstraße in Osnabrück), wo wir im ersten Jahr (Klasse 11) in vier Quartalen verschiedene Schwerpunktfächer kennenlernen konnten. Wir haben dort im Mechatronikquartal sowohl theoretische als auch praktische Inhalte vermittelt bekommen, wodurch man sich einen Überblick über den Schwerpunkt bilden konnte. Für die beiden weiteren Jahre (Klasse 12 und 13) musste man sich dann für einen der vier Schwerpunkte entscheiden, welcher auch das erste Prüfungsfach meines Abiturs war. In der Schule haben wir uns praktisch unter anderem mit Metallbearbeitung wie Körnen, Feilen und Bohren beschäftigt, aber auch erste Schaltungen und Platinen gelötet. Theoretisch haben wir viele elektrische Themen wie Motoren und Sensorik behandelt. Zwischendurch haben wir unter anderem auch noch einen Pneumatikkurs besucht und dort erste Kenntnisse erworben. All diese Eindrücke haben mich umso mehr darin bestärkt, auch nach dem Abi mich in diesem Bereich weiter zu bilden.

 

Welche Aufgaben übernimmst du hauptsächlich?
Als Mechatroniker ist man ein Allrounder, das heißt man wird in vielen Bereichen eingesetzt und kann daher auch verschiedene Tätigkeiten ausüben. Unter anderem gehört es dazu, Baugruppen zu montieren (mechanischer Aufbau, Bauteile verschrauben, verschlauchen, beschriften und Sensoren montieren). Auch kann es nötig sein, Änderungen vorzunehmen und Teile noch einmal nachzuarbeiten (Bohren, Feilen). Hier kommt es darauf an, Montagezeichnungen zu lesen und zu verstehen. Gutes räumliches Denken ist hier von Vorteil, da es nötig ist sich selbst eine Strategie zurecht zu legen, in der die einzelnen Komponenten montiert werden. Wählt man eine falsche Reihenfolge kann es sein, dass man später wieder einiges Demontieren muss, da man sonst an andere Bereiche nicht mehr rankommt. Eine Aufgabe aus dem elektrischen Bereich kann es sein, Stecker anzufertigen, diese können gelötet werden (dauerhafte Verbindung) oder gecrimpt werden (lösbare Verbindung). Beim Crimpen kommen spezielle Werkzeuge zum Einsatz mit deren Benutzung man sich vorher vertraut machen muss. Je fortgeschrittener man in der Ausbildung ist, desto stärker wird man in die Produktion und den Bau der eigentlichen Anlagen eingebunden. Man darf an den Maschinen mitarbeiten, ist dafür zuständig elektrische Schaltpläne zu lesen und nach diesen zu arbeiten. Dazu gehört es die richtige Leitung auszuwählen und diese dann nach Schaltplan an den richtigen Stellen anzuschließen. Genauso wichtig wie die elektrische und mechanische Arbeit ist auch die Dokumentation von Fehlern, um diese dann bei folgenden Anlagen zu vermeiden. Die Beschriftung aller Leitungen und Bauteile ist ebenfalls sehr essenziell, damit bei späteren Wartungen die Problemstellen einfacher gefunden werden können.

 

Was ist das Besondere an Deinem Betrieb?
Das Besondere an meinem Betrieb ist, dass wir viele Felder abdecken und im Sondermaschinenbau tätig sind. Keine Anlage gleicht einer anderen und es muss für jeden Auftrag eine neue Maschine entwickelt, konstruiert und umgesetzt werden. Dabei werden immer wieder neue Techniken und Bauteile eingesetzt, sodass man sehr vielfältig ausgebildet wird und mit vielen verschiedenen Dingen in Kontakt kommt. Auch zeichnet sich der Betrieb dadurch aus, dass man sehr schnell lernt eigenverantwortlich zu arbeiten und auch früh schon beim Anlagenbau eingesetzt wird. Mann muss präzise arbeiten, gute Kommunikationsfähigkeit mitbringen und gewillt sein aus Fehlern zu lernen.

 

Wie ist der Unterricht in Deiner Berufsschule organisiert und welche Fächer sind besonders wichtig?
Als Mechatroniker wechseln sich Schule und Betrieb im Blockunterricht ab, das heißt, man ist 2 Wochen in der Schule, dann 4 bis 6 Wochen im Betrieb und dann erneut in der Schule. Mir persönlich gefällt dieses Konzept sehr gut, da man sich in den 2 Wochen Schule vollständig auf den Stoff konzentrieren kann. Die zuständige Schule ist das Leo-Sympher Berufskolleg in Minden. Dort haben wir sowohl Fächer wie Englisch (inkl. Technischem Englisch), Deutsch und Wirtschaft, aber auch einige verschiedene Technikfächer. Dort werden uns von verschiedenen Lehrern die theoretischen Grundlagen unserer Ausbildung nahegebracht. In einigen Stunden (z.B. Pneumatik) wird auch praktisch an den Aufgabenstellungen gearbeitet. Des Weiteren gibt es ein Projekt (Projekt Netzteil mit WAGO Klemmen), welches in Schule und Betrieb abwechselnd bearbeitet wird. In der Schule erarbeiten wir die Theorie hinter den verschiedenen elektrischen Bauteilen, machen Messungen und im Betrieb müssen wir praktische Arbeiten vornehmen. Zudem wurde uns angeboten ein zusätzliches Zertifikat für technisches English zu erwerben.

 

Was hast du von Deiner Ausbildung erwartet und wurden Deine Wünsche bisher erfüllt?
Ich habe erwartet einiges zu lernen und viel praktisch arbeiten zu können. Dies hat sich auch so erfüllt. Ebenfalls habe ich gehofft in eine gute Arbeitsatmosphäre zu kommen und mich mit meinen Kollegen gut zu verstehen. Ich bin auf jeden Fall positiv überrascht, dass man wirklich immer jedem Fragen stellen kann und einem so gut es geht geholfen wird.

 

Was war bis heute dein größtes Highlight Deiner Ausbildung?
Ich finde man kann nicht das EINE Highlight herausstellen, da es viele tolle Momente gibt. Das erste Mal etwas fräsen zu dürfen war toll, aber natürlich auch die Zwischenprüfung erfolgreich zu bestehen. Ebenfalls fand ich meine erste Ausbildungsmesse sehr interessant, weil man dort mit vielen Schülern zusammenarbeiten durfte und seinen Beruf vorstellen konnte. Für mich ist es jedes Mal wieder ein kleines Highlight, wenn man an einer Anlage mithelfen darf, da einem dabei bewusst wird, welche Verantwortung man auch als Azubi schon hat.

 

Welche Perspektiven hast du nach der Ausbildung?
Aber man hat auch die Möglichkeit nach der Ausbildung noch einen Techniker oder Meister zu machen. Oder man geht Studieren (z.B. Maschinenbau oder Elektrotechnik). Allgemein ist man als Mechatroniker sehr breit aufgestellt und man kann sich in sehr viele verschiedene Richtungen weiterbilden und spezialisieren.

 

Was würdest Du einem neuen Azubi mit auf den Weg geben?
Einem neuen Azubi würde ich raten voller Neugierde und Wissensdurst durch die Welt zu gehen, Fragen zu stellen, sobald man etwas nicht versteht, da jeder gerne bereit ist diese Fragen auch zu beantworten. Von Rückschlagen sollte man sich nicht unterkriegen lassen, das passiert eben, dafür ist man Azubi und lernt noch.